Und der erste Advent ist vorüber, auch wenn es sich hier
nach wie vor nach August anfühlt. Vielleicht sind auch die fehlenden
Jahreszeiten schuld daran, dass das Zeitgefühl immer noch auf Hochsommer steht
;)
Da ich die letzten Male recht viel über meine Arbeit
geschrieben habe, versuche ich in diesem Artikel zu Anfang noch mal daran zu
erinnern das ich in Afrika – Malawi bin und das Leben hier ein anderes ist.
Zwar ist es uns „reichen“ Europäern an den Wochenenden möglich viel zu Reisen
und die schönsten Flecken Malawis zu besuchen, auf der anderen Seite verbringen
wir aber die meiste Zeit unseren Alltag in mitten Malawis. Sicherlich kann das
TTC Umfeld nicht als typisch gelten, da die Dozenten gut verdienen, Autos
fahren und große Häuser haben. Auf der anderen Seite ist das TTC aber eine
staatliche Einrichtung und damit Teil des größten Arbeitgebers Malawis – dem
Staat. Über die vorwiegend wirtschaftlichen Probleme die eine derartige
Wirtschaftsstruktur fast ohne nennenswerte Unternehmen im Privatsektor mit sich
bringt spare ich mir jetzt jegliche Ausführungen. Allerdings begleitet mich
eben genau dieser Staatsbetrieb im Alltag. Das College (TTC), der Stromanbieter
(Escom), der Wasseranbieter, der Internetanbieter (MTL)...
Neben der Volkswirtschaft Malawi begegnet mir täglich der
harte und beeindruckende Alltag der einfachen Malawier. Kabazafahrer
(Fahrradtaxi), Händler(innen) die ihre Waren den ganzen Tag auf dem Kopf durch
das Dorf tragen und diese laut anpreisen, eifrige Telefon-Prepaid-Karten
Verkäufer, Händler auf dem Markt... Die Straßen sind voll von Menschen welche die
verschiedensten Produkte auf dem Kopf, Fahrrad, Ochsenkarren oder Pickup transportieren. LKWs mit unzähligen oft singenden Mitfahrern auf der Ladefläche
passieren die Straßen. Der Staub verklebt einem an besonders heißen Tagen die
Atemwege und es ist anstrengend in der prallen Sonne gefolgt von hunderten
Blicken bei 36 Grad die Einkäufe zu erledigen. Unzählige Kinder begegnen einem
überall. Es ist schon bemerkenswert, wenn man aus dem am Durchschnittsalter
gemessen steinalten Deutschland kommt, wo einem in der Stadt gefühlt vorwiegend
Rentner entgegen kommen, dann hier von Kinderschaaren umringt ist und alte
Menschen oder graues Haar hier so häufig zu finden sind wie Boutiquen in den Dörfern
des Landes.
Es ist ein anderes Leben. Ein Leben welches aus meiner
Perspektive aber auch Lebensnäher wirkt. Der Materialismus spielt im größeren
Teil der Bevölkerung keine Rolle. Erst bei Menschen die zu Geld, Haus und Autos
gekommen sind, wird für mich Neid und teilweise Gier spürbar. Wer in den
(besonders durch Südafrika herangespülten und bedienten) Sog des Materialismus
kommt für den reicht kein Geld in Malawi und so begegnete mir in Lilongwe
neulich der erste Aston Martin.
Im normalen malawischen Alltag sitzt man oft zusammen
auf Bänken unter Bäumen, spielt das malawische Spiel „Bao“, unterhält sich,
beobachtet die Leute oder geht einer handwerklichen Tätigkeit nach. So hektisch
und unkoordiniert das Treiben jeden Tag auch aussieht, so entspannt verhalten sich
die Leute. Auf mich wirkt es auch oft als zähle das Morgen nicht groß.
Soviel erst mal von meinen Erlebnissen. Ich betone nochmal
ausdrücklich, dass das alles MEINE subjektive Sicht nach 3 Monaten hier ist.
Ich möchte mir nicht anmaßen dieses Bild auch nur im entferntesten als
allgemeingültig gelten zu lassen.
Am TTC ist die letzte Woche vor den Ferien angebrochen und
ich habe nochmal sechs Privat-PCs zur Reparatur bekommen... Nebenbei bereite ich
alles auf meine Abwesenheit vor, sodass Internet und Intranet auch in den
nächsten Wochen ohne mich funktionieren. Letzten Freitag durfte ich mit einem Kollegen
ein paar Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Nutzungszeiten der Computer
ausfechten.
Sonst freue ich mich riesig auf die Ferien – heute sind die
Studenten abgereist und am Freitag werden auch Medina und ich Kasungu Richtung
Norden verlassen :)
Letztes Wochenende war ich mit Medina, Till und Nikolai von
Samstag früh bis Sonntag Nachmittag in einer Wald-Lodge. Traumhafte Berglandschaft
– ein kühler Bergsee gleich vor der Tür – Wälder – einfach pure Entspannung.
Bei sehr angenehmen Temperaturen endlich mal unter 20 Grad haben wir sogar die
Sauna genutzt und abends vor dem Kamin gesessen. Die Lodge selbst liegt 10km
entfernt von der Straße im Wald und wurde in der 80ern von den Straßenbau-Ingenieuren
aus Europa als Residenz für den Aufenthalt während des Straßenbaues (von
Lilongwe nach Mzuzu) errichtet. Wir übernachteten im Zelt, waren spazieren, die
anderen drei Fahrrad fahren und ich habe viel gelesen. Nächste Woche geht es
nach Mzuzu, dann nach Chipunga auf die Farm von Manuel und Henrika im Busch,
daraufhin dann nach Lilongwe, von da aus 1 Woche auf einen Workshop nach Mua.
Dannach kommen Medinas Eltern an und wir fahren über Weihnachten an den See.
Mit Manuel werde ich dann am 27.12 Richtung Süden an den See fahren, wo wir
viele andere Freiwillige in Cape Maclear treffen und Silvester feiern :)
Mal sehen wann ich Zeit finde den nächsten Eintrag zu
schreiben!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen